Klaus, der Knappe

 

Mein allererster Freund hieß Klaus.

Eine Hexe mit rotem Kopftuch und großer Nase hatte meiner Oma prophezeit, dass es ein Felix sein würde, oder ein Balthasar. Zumindest ein Leopold.

Aber es wurde nur ein Klaus.

Mein erster Freund wurde er zufällig, ungeplant.

Eigentlich wollte ich damals Peter. Ja, ich weiß, ein Peter ist auch kein Leopold. Dennoch! Peter war der Ritter. Klaus war sein Knappe.

‘Klaus, der Käskopp’, sagten wir. Ein halber zumindest, denn seine Mutter kam aus Holland.

Holland lag hinter dem Wald.

Klaus, Peter und ich - wir wanderten in eine andere Zeit. Im diesigen Licht früher Nebelschwaden taten wir unseren Schwur.

 „Freundschaft“, raunten wir. Und: „Für immer!”

Unsere Turniere hielten wir auf den Rheinwiesen ab oder unter den großen Bäumen der Hetter direkt hinterm Damm. Immer war es Peter, der am schnellsten rennen und am höchsten klettern konnte. Und stundenlang schauten wir ihm zu, wenn er verbotenerweise zum Wasser hinunterstieg und Stein um Stein darauf hüpfen ließ.

Klaus baute uns eine Burg. Aus alten Brettern nagelte er eine Bude direkt unter eine der alten Kastanien. Das war der Ort unserer Feste.

Im Frühjahr stieg Peter in die noch kahlen Äste und erzählte uns von unserem Reich.  „Bis zu den Pappeln reicht es“, rief er zu uns hinunter.  „In gerader Reihe stehen sie dort, wie Soldaten, die eine Grenze zu bewachen haben.“

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