Stellen Sie sich eine Achtjährige in grünen Shorts vor, die auf dem Boden einer Kajüte hockt, kopfschüttelnd ihren spielenden Brüdern lauscht und dann ernsthaft mit ihrer Arbeit fortfährt.

‚Heute habe ich das Frühstück an die Ratten im Hafen verfüttert’, schreibt sie in ihr Tagebuch. Und überlegt, ob sie wohl das Frühstück beschreiben soll. Es gab Toast mit Marmelade, aber das war den Ratten wahrscheinlich egal.

„Stubenhocker, komm endlich nach draußen!“

Dieser Ruf lässt sie - wie so oft - das Buch zur Seite legen.

 

Stellen Sie sich eine Achtzehnjährige vor, die nachts - mit angezogenen Beinen und in eine Decke gekuschelt - im Extrabett der englischen Gastfamilie kauert und einen kirschknallroten Kopf bekommt, wenn sie an den vergangenen Abend denkt.

‘Die Kirsche rollte aus ihrem Sahnebett und malte sich in Zeitlupentempo über die gesamte Länge der weißen Tischdecke’, schreibt sie in ihren Reisebericht.

„Na komm, mach das Licht aus“, murmelt ihre englische Freundin aus dem anderen Bett. „Morgen gehen wir tanzen.“

 

Stellen Sie sich eine erwachsene Frau im Sommerkleid vor, die an einem Balkontisch unter türkischer Sonne sitzt und die Stirn runzelt, weil sie nicht die richtigen Ausdrücke findet, um ihre Gefühle zu beschreiben.

‘Es gibt nicht genug Worte für dieses Glück’, schreibt sie pathetisch kitschig in das Babyalbum.

Sie hat eh keine Zeit für weiteres Schreiben, denn der Schrei des Glücks dringt lautstark aus dem Kinderzimmer.

 

Stellen Sie sich viele Geschichten vor, die nie zu einem Ende kamen, weil das Leben immer „Na komm!“ dazwischenrief.

 

Eine Frau, die schreibt, seit sie schreiben kann.

Einfach, weil es Riesenspaß macht.

Als Kind erfand sie Abenteuer, die Karl May hätten erblassen lassen ob ihrer Kühnheit, als Teenager schrieb sie Liebesgedichte, die jeden Leser hätten erblassen lassen ob ihrer Fürchterlichkeit. Als Erwachsene arbeitete sie sich langsam zu den Menschen ihres Alltags vor.

Mittlerweile erlaubt sie ihren Figuren, sich den Lesern vorzustellen. Und sie stellt fest – auch das ist ein Riesenspaß.

 

Ich kam als Kapitänstochter auf die Welt. Und zwar 1961 in Emmerich am Niederrhein.

Nach einem Lehramtsstudium lebte ich mehr als ein Drittel meines Lebens im Ausland. Wunderbare zwölf Jahre in der Türkei und aufregende vier Jahre auf den Philippinen.

Mittlerweile bin ich in Wiesbaden gelandet. Verheiratet bin ich mit GG (meine Abkürzung für GötterGatte) und gemeinsam haben wir einen seit Kurzem volljährigen Sohn. Wenn ich nicht gerade in meinen Geschichten versinke, tauche ich mit Leidenschaft in die Unterwasserwelt ein.