Meine Freundin Suse

 

„Das muss ein Ende haben“, hatte sie gesagt. Und für ein Ende gesorgt.

 

Meine Freundin Suse war ein richtiger Glücksgriff für den Laden. Der kleine Buchhandel, den ich aufgemacht hatte, wollte nicht recht laufen, obwohl er so günstig auf der Langgasse mitten in der Fußgängerzone lag. Ich muss zugeben, dass ich einfach kein Händchen für den Umgang mit den Kunden hatte, zu ungeduldig war, wenn sie Beratungen erwarteten und zu überheblich, wenn sie die Inhalte der letzten Bestseller mit mir diskutieren wollten. Dabei war ich auf den Laden angewiesen. Nach dem Tode meines Mannes Arthur hatte ich alles verkauft und war hierher nach Wiesbaden gezogen. Von dem zunächst beträchtlichen Vermögen war nicht mehr viel übrig und ich brauchte die Einnahmen aus dem Laden, wenn ich nicht untergehen wollte.

Suse hatte sich im letzten Frühjahr als Verkäuferin beworben. Ihre magere Figur in den knallroten Jeans und dem flotten Shirt entsprach so gar nicht meiner Vorstellung von einer seriösen Buchhändlerin, aber ihre fröhliche Ausstrahlung nahm mich ebenso für sie ein wie die Sommersprossen, die ihrem Gesicht etwas Schalkhaftes gaben. In kürzester Zeit brachte sie das Geschäft in Schwung. Sie änderte das Konzept der Dekoration – frischte mit Farbe und Pep den Laden auf – und war wunderbar natürlich im Umgang mit den Kunden. Auch mit ihrem Gespür dafür, welche Bücher wir in unser Sortiment aufnehmen sollten, lag sie fast immer richtig. Jetzt, gegen Ende des Sommers, zeichnete sich ab, dass sich mein kleiner Notanker in ein profitables Unternehmen umzuwandeln begann.

Sie war erheblich jünger als ich, das tat unserem guten Verhältnis aber keinen Abbruch. Wir mochten die gleichen Bücher, amüsierten uns über die gleichen Dinge und ergänzten uns im Laden und auch im Leben. Nach langer Zeit konnte ich endlich einmal wieder lachen und das tat mir unendlich gut. Suse tat mir gut. Sie war ebenso allein wie ich. Den Vater hatte sie nie gekannt, die Mutter war vor kurzem gestorben. Nur auf sich gestellt und ohne finanziellen Rückhalt war sie mehr als froh, bei mir einen Platz gefunden zu haben. Suse war wie die Tochter, die ich nie gehabt hatte, aber sie verhielt sich zuweilen, als sei es umgekehrt. „Rauch nicht so viel!”, schimpfte sie, wenn ich die Zigarettenschachtel hervorkramte. Oder auch „Du brauchst mehr Schlaf!“, wenn ich morgens mit verquollenen Augen im Laden erschien, weil mich mal wieder die Schlaflosigkeit geplagt hatte. Vor allem aber wollte sie mich aus meiner Einsamkeit herausholen und ich wusste das zu schätzen.

„So geht das nicht weiter – du musst unter Leute“, sagte sie eines Abends, als wir es uns mit einer Flasche Wein in meinem Wohnzimmer gemütlich gemacht hatten. Wieder einmal hatte ich ihr Angebot, sie zum Tanzen zu begleiten, abgelehnt.

„Vielleicht macht dir das ja Spaß“, hatte sie gesagt, sich dann aber doch in meinen Sessel gefläzt und die Beine über die Lehne hängen lassen. „Dein Mann ist jetzt drei Jahre tot, du kannst doch nicht auf Dauer allein bleiben.“

Ich seufzte. „Ach was, Suse. Die Männer in meinem Alter sind eh alle verheiratet – und wenn sie sich doch auf die Suche nach Abenteuern machen, dann nehmen sie sich etwas Jüngeres als mich.“

Sie tat meinen Einwurf mit einem Handwinken ab. „Blödsinn. Du bist eine attraktive Frau. Dein Alter sieht man dir nicht an. Gab es denn in all der Zeit niemanden, der dich interessiert hätte?“

Ich zögerte kurz mit der Antwort. „Doch, schon“, gab ich dann zu.

Suse nahm die Beine von der Sessellehne und setzte sich gerade auf. „Aber?“, hakte sie nach.

Vielleicht war es der Alkohol, der mich redselig machte. Wahrscheinlicher ist, dass ich einfach froh war, endlich einmal über Kevin reden zu können. Dass ich zumindest in Ansätzen meinen Schmerz formulieren konnte. Und die Enttäuschung, die er für mich bedeutete.

„Du kennst ihn – er kommt manchmal in den Laden. Meist gegen Ende des Monats.“

„Dieser ölige Typ in dem lächerlichen Designer-Sakko? Mit dem du immer im Büro verschwindest?“ Suse starrte mich mit großen Augen an. „Ist ja krass! Das ist dein Lover?“

„Er war es“, gab ich zu. „Aber er ist wohl zu jung. Zu verdorben. Ich musste feststellen, dass er nicht mich, sondern das Geld wollte.“ Ich seufzte. „Nun ja, einen Großteil davon hat er ja auch bekommen und im Casino durchgebracht.“ Suse schüttelte ungläubig den Kopf.

„Er ist halt ziemlich unwiderstehlich, wenn er will“, verteidigte ich mich.

“Und jetzt läuft da nichts mehr zwischen euch? Warum kommt er dann noch?“

Ich schwieg und starrte ein Loch in den Teppich. Suse legte den Kopf schief und sah mich aufmerksam an. „Sag nicht, du gibst ihm immer noch Geld?“

Ich nickte, kaum merklich. Wie hätte ich es ihr auch erklären sollen?

„Das lässt du dir gefallen?“ Suse sprang empört auf. „Der Kerl verspielt dein ganzes Geld im Casino und du hockst hier und tust, als wäre nichts? Bist du ihm hörig oder was? Du musst unbedingt mal zum Arzt.“

„Er ist halt auch ziemlich überzeugend in seinen Argumenten“, schob ich nach.

Suse tippte sich an die Stirn.

„So überzeugend könnte kein Mann der Welt sein, dass ich ihm mein ganzes Geld geben würde. Du musst unbedingt etwas unternehmen – das muss ein Ende haben“, schloss Suse voller Unverständnis das Thema. Ich wusste, dass sie Recht hatte. Aber was konnte ich schon tun?

 

Sie versuchte mir zu helfen. Als Kevin das nächste Mal im Laden auftauchte, stellte sie sich ihm in den Weg. „Schluss, Ende! Aus die Maus!“, schimpfte sie mit lauter Stimme, ohne sich um die Kunden im Laden zu kümmern. „Sie gibt dir nichts mehr.“

Kevin schob sie nur zur Seite. „Misch dich nicht ein!“, knurrte er und stapfte in Richtung Büro. Aber Suse zeterte weiter. „Du quälst sie, siehst du das nicht? Lass sie endlich in Ruhe!“, schrie sie ihm nach. Der Rest ging im Knallen der Tür unter, die Kevin mit einem heftigen Schlag hinter sich zuwarf. Ein Blick in seine Augen zeigte mir, wie wütend er war.

„Bist du verrückt geworden?“, zischte er mich an. „Wieso erzählst du dieser Tusse von uns?“

An diesem Abend rief ich Suse ins Büro und bat sie, die Sache auf sich beruhen zu lassen. „Vergiss einfach, was ich dir erzählt habe“, bat ich. „Vergiss Kevin.“ Sie öffnete den Mund, um zu protestieren. Aber ich ließ sie nicht zu Wort kommen.

„Suse, mein Privatleben geht dich nichts an!“, sagte ich mit strenger Stimme und verließ das Büro.

 

Aber so schnell gab Suse sich nicht geschlagen. Sie hatte nun einmal beschlossen, mir zu helfen. Und sie setzte diesen Entschluss in die Tat um.

Es war etwa zwei Wochen später, als sie mitten in der Nacht anrief.

„Du musst unbedingt herkommen“, stammelte sie aufgeregt in den Hörer. „Es ist etwas Schreckliches passiert.“

Ich zitterte, als ich ins Auto stieg. Suse wollte am Telefon nicht heraus mit der Sprache, aber der Tonfall ihrer Stimme hatte mich mehr als beunruhigt. Vor lauter Aufregung würgte ich zweimal den Wagen ab, bevor ich endlich aus meiner Ausfahrt auf die stille Seitenstraße einbiegen konnte, in der ich wohnte. Sie hatte mir einen Ort auf der Schiersteiner Straße genannt, einen kleinen Parkplatz, der hinter einem Supermarkt lag. Um diese Uhrzeit war es dort natürlich menschenleer.

Als ich auf den dunklen Platz einbog, konnte ich zunächst nichts entdecken. Von Suse keine Spur. Besorgt löschte ich die Scheinwerfer und blieb im Wagen sitzen. In dem fahlen Mondlicht warfen die Bäume rings um den Platz unheimliche Schatten und es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, dass neben dem parkenden Wagen am Rande der Einfriedung etwas auf dem Boden lag. Ich stieg aus und näherte mich zögernd. Schon nach ein paar Schritten wusste ich, was ich da sah.

Dort lag ein Mensch. Oh Gott, Suse, fuhr es mir durch den Kopf. Ich rannte quer über den Platz und blieb dann, bei dem grauenhaften Anblick, der sich mir bot, wie angewurzelt stehen. Der Hinterkopf der Gestalt war zerschmettert und voller Blut und auch auf dem Pflaster gab es große Blutlachen. Es kostete mich unbeschreibliche Überwindung, die leblose Person an der Schulter zu packen und herumzudrehen. Ich erstarrte.

Kevins Augen blickten mich an – nicht mehr liebevoll wie früher einmal, auch nicht mehr wütend, wie noch vor kurzem. Einfach nur leer und ziemlich tot. Mir wurde schlecht. Mit einem Keuchen erhob ich mich, stolperte rückwärts, drehte mich um und hastete dann zu meinem Wagen. Was war hier passiert? Wieso war Kevin tot? Und wo, verdammt, steckte Suse? Hektisch drehte ich den Schlüssel im Zündschloss, ließ den Motor an und entschied, den Platz über den rückwärtigen Zugang zu verlassen. Ich fuhr bis zur Ecke und bog in die schmale Teutonenstraße ein. Hier hielt ich an. Mit zitternden Fingern kramte ich in meiner Tasche nach einer Zigarette und zündete sie an. Ich inhalierte tief, um die Übelkeit zu bekämpfen. Ich war völlig verwirrt. Der Gedanke an die Polizei schoss mir durch den Kopf, aber ich verwarf ihn sofort wieder. Ich musste erst mit Suse sprechen, ich wollte keine von uns beiden in Gefahr bringen. Erst musste ich wissen, was hier passiert war. Ich fuhr weiter.

Als ich bei Suse klingelte, öffnete sie die Tür. Ich war überrascht, insgeheim hatte ich nicht damit gerechnet, sie zu Hause anzutreffen. Womit ich allerdings gerechnet hatte, wusste ich auch nicht. Sie fiel mir in die Arme.

„Entschuldige, ich hielt es dort einfach nicht mehr aus. Ich habe mich so gegruselt.“

Ich schob sie in die Wohnung und schloss die Tür hinter uns.

„Ich wollte dir doch nur helfen“, heulte sie. „Ich wollte ihn bitten, dich in Ruhe zu lassen.“

Ich war sprachlos. „Auf einem Parkplatz nachts um halb drei Uhr?“

„Ich bin ihm einmal gefolgt. Er wohnt doch auf der Dostojewskistraße und nachts stellt er seinen Wagen immer auf diesem Platz ab. Heute Nacht habe ich dort auf ihn gewartet, ich konnte ja nicht ahnen, dass er erst so spät heimkommt.”

Suse schniefte. „ Ich wollte ja auch nur mit ihm reden. Aber er lachte mich aus, meinte, dass mich das Ganze nichts anginge und dass du noch länger Freude an ihm haben würdest. Ich redete auf ihn ein, wollte ihn überzeugen, ihn bitten ... und dabei griff ich nach seinem Arm. Aber das machte ihn wütend.

‘Pack mich nicht an’, knurrte er und schubste mich weg. Ich stolperte rückwärts und im nächsten Moment verpasste er mir einen weiteren Stoss vor die Brust. Ich taumelte regelrecht. Kevin kam total in Fahrt.

‚Was mischt du dich überhaupt ein, hey? Was weißt du schon? Suchst du Ärger?’

Er packte mich am Kragen und schüttelte mich. Er war so nah, dass mir seine Alkoholfahne in die Nase stieg. Ich bekam es richtig mit der Angst zu tun. Gleichzeitig merkte ich, dass ich innerlich kochte. Ich hatte einen solchen Brass auf dieses Ekelpaket. Er ließ überhaupt nicht mit sich reden.

‚Okay, okay’, sagte ich, ‚ich geh’ ja schon. Nur keine Aufregung’. – ‚Ja, verpiss dich!’ Er schleuderte mich so heftig von sich, dass ich auf den Boden fiel ...“

Suses Stimme wurde immer hektischer und rote Flecken breiteten sich auf ihrem Gesicht aus. „Und da lag dann dieser Stein ... und ... ich weiß auch nicht ... auf einmal hatte ich ihn in der Hand und ... rappelte mich hoch ... und schlug zu ...“ Suses Schultern zuckten jetzt in einem Heulkrampf. „Was machen wir denn jetzt bloß?“, fragte sie schließlich stockend und zog die Nase hoch. „Bitte, du musst mir helfen! Ich habe es doch für dich getan.“ Wie ein kleines Mädchen stand sie vor mir und sah mich mit flehenden Augen an.

Meine Gedanken überschlugen sich.

„Wo ist der Stein?“, fragte ich.

„Ich hab ihn auf dem Heimweg in den Rhein geworfen. Den findet keiner“. Etwas wie Stolz klang aus Suses Stimme.

„Und hast du irgendetwas angefasst?“

Suse legte die Stirn in Falten und überlegte angestrengt.

„Nein. Nur den Stein“, sagte sie schließlich.

Ich atmete auf. „Gut! Dann tun wir, als sei nichts geschehen. Zur Sicherheit hattest du heute Nacht eine Migräne und mich gebeten, dir ein Medikament zu bringen. Dann hast du zudem ein Alibi, wenn auch nur ungefähr.“

Suse holte tief Luft. „Das werde ich dir nie vergessen“, stöhnte sie erleichtert.

Ich nahm sie in die Arme. „Keine Sorge, Kleines. Niemand wird eine Verbindung zwischen Kevin und dir herstellen. Wir kriegen das schon hin.“

Den Rest der Nacht verbrachte ich bei Suse auf dem Sofa. Sie schlief erschöpft ein, ihr Kopf ruhte an meiner Schulter. Gedanken an Kevin gingen mir durch den Kopf, an die Zeit, als ich ihn kennen gelernt hatte. An den Aufruhr, den er in mir ausgelöst hatte, an die Sehnsüchte, die ich schon längst verschüttet geglaubt und die er geweckt hatte. Aber das war lange her und wurde überschattet von dem, was danach kam. Welches Wort hatte Suse gebraucht: Hörig? Ja, vielleicht war ich das einmal gewesen. Hungrig, verliebt, verfallen. Aber dieses Gefühl war längst erloschen, dafür hatte Kevin gesorgt. Jetzt gab es keinen Kevin mehr. Er konnte mir nicht mehr weh tun. Suse hatte mir tatsächlich einen Gefallen getan.

 

Der Morgen im Laden begann wie immer. Suse war etwas nervös, aber sie riss sich zusammen und bediente die Kunden mit dem gewohnten Lächeln. Die beiden Männer, die am späten Vormittag das Geschäft betraten, waren zwar auffällig, dennoch klingelten bei mir erst beim zweiten Blick die Alarmglocken. Sie wandten sich an Suse, die nahe der Tür stand und kamen dann zu mir herüber. Suses erschreckter Ausdruck, mit dem sie mich ansah, ließ mich richtig raten. In meinem Büro stellten sich die beiden als Heck und Marten vor und zückten ihre Ausweise und ihre Fragen.

„0611 93908 – ist das Ihre Telefonnummer?“

Ich war erstaunt. „Ja, das ist meine Privatnummer.“

„Ist Ihnen ein gewisser Kevin Roth bekannt?“

Anscheinend hatten sie meine Nummer in Kevins Unterlagen gefunden. „Ja, ich kenne ihn. Warum fragen Sie?“

Meine Frage wurde ignoriert. „Wann haben Sie ihn das letzte Mal gesehen?“ Hecks Stimme war ganz freundlich, Marten blickte kaum von dem Block hoch, auf dem er meine Antworten notierte.

„Oh, das ist Wochen her. Ich kann es Ihnen gar nicht so genau sagen. Anfang des Sommers vielleicht?“

„Und wann haben Sie das letzte Mal mit ihm telefoniert?“

„Ach, das ist sicher noch länger her. Hat Kevin was angestellt?“

„Nein“, brummte Marten und hob den Kopf. „Er wurde letzte Nacht ermordet.“

Er schien aufmerksam meine Reaktion zu beobachten und ich gab mir Mühe, erschreckt und betroffen nach Luft zu schnappen. „Ermordet? Oh Gott, wie schrecklich!“ Ich stützte mich auf meinen Schreibtisch. „Aber warum?“ Ich überlegte fieberhaft, was man in einem solchen Fall noch zu sagen hatte. „Weiß man denn schon, wer der Täter ist?“, schob ich also mit piepsiger Stimme hinterher.

Hecks Miene blieb gleich bleibend freundlich. „Nein, wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen. Sie haben also nicht mit Herrn Roth gesprochen? Letzte Nacht?“ Ich schüttelte den Kopf.

Hecks Lächeln verschwand. „Wie erklären Sie sich dann, dass Herrn Roths letztes Gespräch auf seinem Handy mit Ihrer Privatnummer geführt wurde? Der Zeitpunkt lässt vermuten, dass es kurz vor seinem Tod war.“

Diesmal war meine Verblüffung echt. Spontan wollte ich mich zu Suse umdrehen, aber ich beherrschte mich. „Das ist mir völlig unerklärlich“, stotterte ich. „Ich versichere Ihnen, ich habe gestern Abend nicht mit Herrn Roth telefoniert.“

Marten runzelte die Stirn, dann ließ seinen Block sinken. „Nun gut, wir werden das nochmal überprüfen. Die Nummer führte uns jedenfalls zu Ihrer Privatadresse. Und da Sie nicht daheim waren, haben wir uns bei den Nachbarn umgehört, wo Sie wohl zu finden seien. Sie schickten uns hierher. Wussten Sie, dass Ihr Nachbar zur Linken einen sehr leichten Schlaf hat? Er hat Sie kurz vor drei Uhr wegfahren hören. Wohin ging’s denn um diese Uhrzeit?“

Erleichterung überkam mich, dass ich mich mit Suse auf das Alibi geeinigt hatte. Wie dumm von mir. In meinem Bemühen, Suse zu decken, hatte ich überhaupt nicht überlegt, dass man auch mich verdächtigen könnte. Aber ich hatte am Tatort nichts berührt. Von einer Stoffjacke konnte man ja wohl keine Fingerabdrücke nehmen, oder? Nein, bestimmt nicht. Ich war mir auch sicher, dass mich auf dem Parkplatz niemand gesehen hatte und für meinen nächtlichen Ausflug hatte ich einen triftigen Grund. „Ich war bei meiner Angestellten. Sie hatte heftige Kopfschmerzen und ich habe ihr ein Medikament gebracht.“ Ich winkte Suse herbei.

Sichtlich nervös und vielleicht eine Spur zu heftig bestätigte Suse mein Alibi. Heck bedankte sich, Marten warf Suse einen langen Blick zu, bevor die beiden Männer sich verabschiedeten. „Bitte halten Sie sich zu unserer Verfügung, es kann sein, dass wir noch weitere Fragen an Sie haben.“

Als die Tür hinter ihnen zufiel, ließ ich mich auf meinen Stuhl sinken. Suse rannte zum Eingang und schloss ab.

„Mist“, stöhnte ich. „Suse, die glauben, ich habe etwas damit zu tun.“

„Scheiße! Ich wusste ja, das geht nicht gut“, sagte sie. „Es hat alles keinen Sinn, ich gehe ihnen sofort nach und stelle mich, ja? Wir sagen ihnen alles, auch dass Kevin immer Geld von dir wollte und so schrecklich war und überhaupt. Der Herr Kramer kann das auch bestätigen. Der war ja hier, als Kevin das letzte Mal so fies war und die Tür zu deinem Büro derart laut zugeknallt hat. Die Polizei versteht sicher, dass ich im Affekt gehandelt habe.“ Suse drehte sich zur Tür um, aber ich hielt sie fest.

„Nein, warte! Ich glaube nicht, dass das so eine gute Idee ist. Zumindest sollten wir das Geld nicht erwähnen.“ Mir schwirrte der Kopf.

„Warum denn nicht? Mein Gott, jetzt kann Kevin dir doch nichts mehr tun, du brauchst ihnen doch nicht zu verraten, womit er dich erpresst hat.“

Ich starrte sie verblüfft an. „Erpresst?“

Sie legte einen Arm um meine Schulter. „Ach Mensch, ich bin doch nicht doof. Du erzählst mir, dass du ihn nicht mehr liebst, dass du ihm dennoch immer noch Geld gibst und murmelst dabei was von überzeugenden Argumenten. Da ist doch wohl klar, dass da was im Busch ist. Das kapiert sogar so ein Landei wie ich. Was hast du denn angestellt? Im Casino betrogen? Das Finanzamt hinters Licht geführt? Oder gar Nacktfotos gemacht?“

Trotz unserer Anspannung schlich sich ein Grinsen in ihr Gesicht, verschwand aber sofort wieder.

„ Egal, du musst es mir ja nicht verraten. Was immer es ist, nichts kann schlimmer sein als das jetzt. Immerhin haben wir einen Toten an der Backe.“

„Trotzdem ... “, ich versuchte meine Gedanken zu ordnen. „Wenn ich ihnen von dem Geld erzähle, liefere ich doch ein erstklassiges Motiv. Damit mache ich mich erst recht verdächtig.“ Ich schüttelte energisch den Kopf.

„Nein, am besten ist, wir bleiben bei unserer Aussage. Du hattest Migräne und ich habe dir Tabletten gebracht. Dann blieb ich bis zum Morgen bei dir.“

„Na ja“, Suse schien nicht überzeugt. „Du könntest ihn natürlich auf dem Weg zu mir um die Ecke gebracht haben. Das werden die zeitlich schon auseinander puzzeln können.“

Ich holte tief Luft. „Ja, theoretisch könnten sie mir das vorwerfen. Aber beweisen können sie es nicht. Nein Suse, wir lassen es erst einmal so, wie es ist. Kevin war ein übler Genosse – die Polizei wird so einige Spuren zu verfolgen haben.“

Ich las Dankbarkeit und Erleichterung in ihrem Gesicht. „Ich wünschte, ich könnte die Uhr zurückdrehen“, murmelte sie.

„Ich auch“, seufzte ich.

Ein Klopfen unterbrach uns und Suse öffnete einer verärgerten Kundin die Tür. Der Nachmittag verging mit viel Arbeit. Dankbar stürzten wir uns in die Ablenkung, dennoch nutzte ich die kurzen Pausen, um mit Suse wieder und wieder unsere Aussagen abzustimmen. Ich wollte da keinen Patzer riskieren. Kurz vor Feierabend fuhr ich sogar die zwanzig Minuten bis nach Taunusstein und besorgte dort in einer Apotheke ein Migränemittel. Zurück im Laden entnahm ich der Packung drei Tabletten und spülte sie in der Toilette hinunter. Dann drückte ich Suse die Schachtel in die Hand.

“Hier, jetzt sind deine und meine Fingerabdrücke auf der Verpackung”, erklärte ich ihr. Sie nickte nur und steckte das Medikament in ihre Handtasche.

„Es wird schon gut gehen“, meinte Suse, als wir endlich den Laden abschlossen. „Nimm ein heißes Bad, trink ein Glas Rotwein und geh früh zu Bett. Du musst doch hundemüde sein.“ Zum ersten Mal wirkte sie zuversichtlich und ihre Worte beruhigten mich tatsächlich ein wenig.

Ich befolgte ihren Ratschlag, dennoch kreisten meine Gedanken den ganzen Abend um Kevin. Immerhin hatte ich ihn einmal geliebt, zumindest geglaubt, ihn zu lieben. Aber er erwies sich als kalt und egoistisch und für mich bedeutete sein späteres Verhalten nach wie vor Verrat an meinen Gefühlen. Ich musste mir eingestehen, dass ich keine Trauer über seinen Tod empfand, nicht einmal Mitleid. Ich spürte lediglich Erleichterung. Hoffentlich merkten mir die Polizisten das nicht an, das würde keinen guten Eindruck machen. Der Gedanke an Marten und Heck stürzte mich in Unruhe. Irgendwie hatte ich das Gefühl, etwas zu übersehen. Aber erst in den frühen Morgenstunden, als ich mich trotz größter Müdigkeit immer noch ruhelos in meinem Bett hin und her drehte, fiel es mir ein. Verdammt, was hatten die Polizisten gesagt? Kevin hatte mich angerufen? Aber er hatte doch gar nicht ... Ob Suse etwa ...? Das musste ich unbedingt mit ihr besprechen, konnte ich gerade noch denken, bevor ich in einen kurzen, unruhigen Schlaf fiel.

 

Am nächsten Morgen klingelte es früh an der Tür. Heck und Marten standen davor und statt eines Blocks hielt Marten Papiere in der Hand.

„Guten Morgen“, Hecks Lächeln schien sein Markenzeichen zu sein. „Wir haben hier einen Durchsuchungsbescheid für Ihr Haus, den Wagen und den Laden in der Stadt.“

„Was erhoffen Sie denn zu finden?“, fragte ich erstaunt.

„Das weiß man vorher nie“, knurrte Marten. „Vielleicht die Tatwaffe?“

„Nur zu“, erwiderte ich. „Ich wäre für möglichst wenig Unordnung dankbar. Mich werden Sie entschuldigen – ich muss ins Geschäft.“

„Tut mir leid – aber Sie müssen uns erst einmal zum Revier begleiten. Wir brauchen eine Speichelprobe von Ihnen.“

„Was?“ Ich konnte mir keinen Reim auf das Ganze machen, aber Marten nahm mich beim Arm, ohne mir eine weitere Erklärung zu geben.

Der Test war schnell gemacht, dennoch ließ man mich nicht gehen, sondern bat mich, in einem karg eingerichteten Zimmer Platz zu nehmen. Unruhig rutschte ich auf dem harten Holzstuhl hin und her und versuchte verzweifelt, mich selbst zu beruhigen. In meinem Haus gab es nichts zu finden, der Stein lag im Rhein, die Speichelprobe machte überhaupt keinen Sinn und musste mit einer Spur zu tun haben, die nicht mit mir oder Suse in Verbindung stand. Es gab nichts zu finden. Das erwähnte Telefonat fiel mir wieder ein, aber noch immer hatte ich keine Erklärung dafür.

Irgendwann polterte Marten zur Tür herein. Er stellte ein Tonbandgerät auf den Tisch, schloss das Fenster, rückte zwei Stühle zurecht und hockte sich mir gegenüber auf den Stuhl. Er schwieg und starrte mich an. Mir wurde unheimlich unter seinem Blick und ich war froh, als sich die Tür erneut öffnete und Heck den Raum betrat. Er nahm auf dem zweiten Stuhl Platz, sah mich betrübt an, schaltete das Gerät ein und murmelte Ort, Zeit und die Namen der Anwesenden ins Mikrofon.

„Tja, das sieht ja nun gar nicht gut für Sie aus!“, meinte er dann.

Ich fühlte, wie eine eiskalte Klaue meinen Magen zusammenpresste. „Ich verstehe nicht ...“, begann ich.

Er unterbrach mich. „Sie bleiben dabei, dass Sie nicht mit Herrn Roth telefoniert haben?“ Ich wusste es! Das Telefonat war der Knackpunkt – da stimmte etwas nicht. Dennoch blieb mir nichts anderes übrig. „Ich bleibe dabei“, sagte ich mit fester Stimme.

„Sie haben sich nicht mit Herrn Roth auf dem Parkplatz getroffen? Sie haben ihn nicht erschlagen? Sie haben ihre Angestellte nicht zu einer falschen Aussage genötigt?“

Ich schnappte nach Luft. Was ging hier vor?

„Ich habe nichts von alldem getan“, keuchte ich empört. Ich spürte, dass meine Handflächen feucht wurden und rieb sie nervös aneinander.

Heck seufzte. „Bevor Sie weiterreden, lassen Sie mich sagen, was wir haben. Vielleicht überlegen Sie sich Ihre Aussage dann noch einmal.“

Ich sah ihn verwundert an. Was sie hatten? Was sollte das sein?

„Fakt 1: Der ungefähre Todeszeitpunkt des Herrn Roth liegt zwischen etwa halb drei und halb vier Uhr.

Fakt 2: Kurz nach halb drei Uhr wurde vom Handy des Herrn Roth ein Anruf an Ihre Privatnummer getätigt ... das Gespräch war kurz. Kaum eine Minute.

Fakt 3: Kurz nach dem erwähnten Anruf haben Sie das Haus verlassen – in Aufregung anscheinend. Nach Aussage Ihres Nachbarn gelang es Ihnen nicht, ohne Probleme den Wagen zu starten.“

Fakt 4: Neben dem Wagen des Herrn Roth fanden wir eine Zigarettenkippe. Raten Sie einmal, wessen Speichelprobe da welchen Aufschluss gegeben hat.“

Fakt 5: Im Kofferraum Ihres Wagens haben wir eine Taschenlampe der Marke mega-light gefunden, eine richtige Totschlagwaffe. Sie wurde gut gereinigt, Fingerabdrücke gibt es keine mehr. Aber das Labor konnte dennoch Blutspuren finden. Es handelt sich um das Blut von Herrn Roth.“

Ich starrte die beiden mit großen Augen an. Was bedeutete das alles? Zigarette? Taschenlampe? Wieso Taschenlampe? Es war doch ein Stein ... Blutspuren?

„Ich sage Ihnen, was geschehen ist.“ Martens Stimme donnerte durch den Raum und knallte brutal vor die Wände. „ Roth rief Sie an und bestellte Sie auf den Parkplatz. Was wollte er? Geld? Sie fuhren hin, die Taschenlampe in ihrer Hand erregte nicht Roths Argwohn, schließlich war es recht dunkel auf dem Platz. Sie standen vor seinem Auto, Sie diskutierten, Sie stritten, Sie rauchten eine Zigarette, Sie stritten heftiger und dann zogen Sie ihm mal eben das Ding über den Schädel. Wir haben genügend Spuren. Die reichen für den schönsten Indizienprozess aller Zeiten.“

Heck beugte sich vor. „Seien Sie doch vernünftig. Sagen Sie aus!“ Seine Stimme war im Vergleich zu Martens wohltuend weich. Ich wusste, dass dieser angeblichen Sanftheit nicht zu trauen war. Sie wollten mich durch die abrupten Stimmungswechsel in Verwirrung stürzen, aber dazu bedurfte es keiner besonderen Anstrengung. Ich verstand nichts mehr.

„Aber meine Angestellte ...“, stotterte ich. „Suse kann doch ... Hören Sie, ich war es nicht. Ich habe damit nichts zu tun.“

Heck seufzte erneut. Er stand auf und ging zur Tür. Durch den offenen Spalt konnte ich Suse erkennen, die draußen auf dem Gang auf einer Bank hockte.

Als sie mich sah, brach sie in Tränen aus und stürzte auf mich zu.

„Verzeih!“, schluchzte sie. „Bitte verzeih mir, ich habe ihnen alles gesagt.“

Erleichterung überkam mich. Es tat mir leid für Suse, aber die Situation war mir zu brenzlig geworden. Ich konnte nichts mehr für sie tun. Ich hatte mich für eine Falschaussage zu verantworten, das konnte nicht so schlimm werden. Und Suse? Nun ja, sie hatte im Affekt gehandelt – mit ein wenig Geschick konnten wir es vielleicht in Notwehr umwandeln.

„Schon gut“, murmelte ich und streichelte über ihre Schultern. „Ganz ruhig, das kriegen wir schon hin.“

„Gar nichts kriegen Sie hin“, sagte Marten trocken.

„Wir haben den angeblichen Migräne-Notfallruf überprüft. Weder vom Handy noch vom Privatanschluss Ihrer Angestellten wurde in der betreffenden Nacht ein Gespräch geführt. Auf intensives Nachfragen hat sie schließlich zugegeben, Sie in dieser Nacht überhaupt nicht angerufen zu haben. Im Gegenteil, Ihre Angestellte hat ausgesagt, dass sie total überrascht war, als Sie in der betreffenden Nacht bei ihr auftauchten. Völlig aufgewühlt, durcheinander. Auch, dass Sie von Ihnen zu der falschen Aussage überredet wurde.“

Ich stieß Suse von mir. „Was erzählst du denn da?“ Ich merkte, dass man meiner Stimme die Hysterie anhören konnte. „Suse, was soll das? Du kannst mir doch jetzt nicht den Mord anhängen, den du begangen hast!“

Aber Suse schwieg und starrte beharrlich zu Boden.

„Suse?“

Ich schüttelte verzweifelt den Kopf und drehte mich zu den Beamten um. „Sie war es!“

Ich streckte meinen Arm aus und zeigte mit dem Finger auf Suse. „Sie war es ... sie hat ihn umgebracht und dann bei mir um Hilfe gebettelt.“

„Ach ja?“ Hecks Stimme klang gar nicht mehr freundlich. „Und welches Motiv hatte sie?“

Ich zögerte. Die Absurdität der Antwort ließ mich verzweifeln.

„Sie hat mich gern“, murmelte ich tonlos. „Sie wollte mir helfen.“

Suse stand heulend in der Mitte des Raumes und hielt den Kopf gesenkt. Marten reichte ihr ein Papiertaschentuch. „Ich habe ihnen wirklich alles gesagt“, kam es unter ihren Ponyfransen hervor. „Ich habe ihnen gesagt, dass Kevin dich erpresste. Er wusste ja, dass du deinen Mann umgebracht hast.“

Der Boden drehte sich unter mir und kam mir unendlich schnell entgegen. Den Aufprall spürte ich nicht mehr.

 

Der Rest ist schnell erzählt. Suses Aussagen waren das Zünglein an der Waage. Natürlich bestritt ich bis zum Ende die Tat und belastete auch weiterhin Suse. Aber ihre Aussage hatte zu einer Obduktion der Leiche meines Mannes geführt. Man fand Spuren des Medikaments, das zu dem angeblichen Herzinfarkt führte, den unser damaliger Hausarzt diagnostiziert hatte. Verzweifelt versuchte ich, mich zu retten. Immer wieder beschrieb ich den wahren Ablauf der Mordnacht, mühte mich, meine Richter zu überzeugen. Aber die Ironie meines Schicksals schien im Gerichtssaal eher Schadenfreude denn Mitleid auszulösen. Eine Frau im mittleren Alter, die sich von einem jugendlichen Liebhaber verführen lässt. Sie träumt von einem neuen Leben – will einmal noch glücklich sein, bevor es zu spät ist. Ohne finanzielle Einbußen natürlich, denn der Geliebte hat schließlich auch Träume und Wünsche. Er bestärkt sie in ihren Gedanken, flüstert ihr ein, was immer sie vorwärts treibt zu dieser Tat, besorgt ihr sogar das entsprechende Medikament und ... nimmt sie nach der Tat aus wie eine Weihnachtsgans. Der Liebhaber verwandelt sich in einen Erpresser, den es zu beseitigen gilt.

Man verurteilte mich: schuldig des zweifachen Mordes.

 

Suse besuchte mich etwa drei Monate später.

Schweigend saßen wir uns gegenüber.

„Warum?“, fragte ich schließlich.

Sie grinste. „Weißt du, es stimmt nicht, dass ich meinen Vater nicht kannte. Vor etwa drei Jahren rückte meine Mutter endlich mit seinem Namen heraus. Ja – du vermutest richtig. Es war Arthur.

Wir trafen uns mehrmals und wir verstanden uns gut. Er erzählte mir, dass er von deinem Liebhaber erfahren hatte. Dass er an eine Scheidung denke und auch daran, das Testament zu ändern. Zu meinen Gunsten übrigens! Aber dazu kam es ja dann nicht mehr.“ Sie lehnte sich vor und starrte mich hasserfüllt an. „Du hast mir den Vater genommen, den ich gerade erst gefunden hatte. Du hast ihn ermordet. Ich hatte dich von Anfang an in Verdacht!“

Suse holte Luft und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Nun, den Großteil des Geldes hast du ja dieser widerlichen Ratte Kevin in den Rachen geworfen, aber der Rest wird eingezogen. Du hast jedes Recht daran verspielt. Schluss, Ende! Aus die Maus!“

Sie grinste noch breiter. „Klar – ich lass noch einige Wochen verstreichen, bevor ich meine Ansprüche geltend mache.“

„Du hast das die ganze Zeit geplant!“

„Natürlich. Du bist ja so doof. Es war einfach. Ich wartete in jener Nacht auf Kevin, versprach ihm viel Geld, wenn er mir von damals erzählt ... da wurde er gierig und unaufmerksam. Im nächsten Moment ...“ Suse holte aus. „Bang!“

Wütend sah sie mich an. „Er hatte es verdient“, zischte sie.

„Die Kippe war aus deinem Aschenbecher. Die Taschenlampe aus deinem Auto ... ich habe sie am nächsten Morgen wieder reingeschmuggelt. Und der Anruf von Kevins Handy aus war natürlich die Krönung. Du bist drauf reingefallen ... besser als in jedem Lehrstück. Übrigens: die Handschuhe liegen wirklich im Rhein. Mit einem Stein beschwert. Wäre schön, wenn dich auch noch jemand auf dem Parkplatz gesehen hätte. Aber es hat ja auch so gereicht.“

Suse stand auf. Ihre ganze Erscheinung strahlte Selbstgefälligkeit aus.

„Vielleicht besuche ich dich manchmal“, sagte sie zum Abschied. „Vielleicht macht mir das ja Spaß.“

 

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